Warum ist Schach überhaupt Sport? Beat Rüegsegger beginnt seinen Vortrag mit der Definition, dass Schach gemäss folgenden Faktoren tatsächlich ein Sport ist.
Schach hat einen Spielcharakter, es gibt ein Leistungsprinzip, Regelgebundenheit, eine Wettkampfform, Organisationsstruktur, Internationalität, körperliche Belastung, Zeitlimit, Gleichheit der Voraussetzungen, Konkurrenzcharakter, Zugänglichkeit für alle, eine Vorbereitung ist nötig.
Positive Eigenschaften des Sports sind Belastbarkeit, Selbstbewusstsein, Toleranz, Konzentrationsfähigkeit, Willensstärke, Daueraufmerksamkeit, Strategievermögen, Motivation, Entschlusskraft, Fantasie, Mut zum Risiko, Geduld, Zuversicht, Lebensfreude, Einzelaktivität, Kanalisierung der Aggressivität.
Einzig die körperliche Anstrengung ist beim Schach nicht auf Anhieb sichtbar. Bei längeren Wettkämpfen können Schachspieler aber durchaus auch an Gewicht verlieren.
Schach ist sogar als olympische Disziplin in Diskussion. Alle zwei Jahre findet jetzt schon eine Schacholympiade statt.

Beat Rüegsegger spricht über Betrugsfälle im Schachsport
Fairnessregeln im Schachspiel
Die FIDE formuliert Laws of Chess. Hier ist auch festgehalten, wohin sich Spieler während eines Wettkampfs begeben dürfen. Verboten sind Notizen oder Ratschläge von andern und das analysieren der laufenden Partie auf einem andern Schachbrett. Digitale Kommunikationsmittel sind verboten. Klingelt ein Mobiltelefon, so verliert der Spieler die Partie.
Spieler können verwarnt , die Bedenkzeit verkürzt oder die des Gegners erhöht werden. Auch Ausschlüsse vom Turnier sind mögliche Massnahmen.
Der Gewinner erhält einen Punkt, bei Unentschieden erhält man einen halben, als Verlierer Null Punkte.
Die nonverbale Kommunikation zu unterbinden ist eine der wichtigsten Aufgaben der Schiedsrichter und Turnierleiter. Zeichensprache ist dabei ein Mittel, das bei Gehörlosen wichtig ist.
Die Fernschachnotation wurde mit Buchstaben und Zahlen definiert. Dies führte aus sprachlichen Gründen zu Verschreibern. Deshalb gibt es ein international gültiges Zahlensystem, in dem alle Schachfelder mit Zahlen von 11 bis 88 nummeriert sind.

Fälle von prominenten Schachbetrugsfällen
Die Preisgelder wirken im Schachsport eher tief, trotzdem entwickeln Schachspieler eine beachtliche kriminelle Energie:
1492 Kolumbus wurde erst auf den Weg nach Indien geschickt, nachdem dem König die nötigen Gewinnzüge eingeflüstert wurden und er entsprechend gute Laune hatte.
1809 spielte Napoleon gegen einen Schachcomputer. Auf der Maschine war ein Türke auf das Schachbrett aufgezeichnet. Darin sass aber ein Schachspieler (Daher der Ausdruck ‘mechanical Turk’). Napoleon setzte seine Figuren bewusst ungenau auf das Schachbrett, um die Maschine zu prüfen. Prompt korrigierte diese die unpräzis stehenden Figuren.
1972 erhielt Karpov von seinen Betreuern Joghurts mit verschiedenen Aromen. Je nachdem sollte er angreifen oder verteidigen.
1981 Bei der Partie Kortschnoi gegen Karpov sass in der ersten Reihe ein Parapsychologe, der Kortschnoi anvisierte. Kortschnoi beschwerte sich, der Parapsychologe durfte später nur noch in der fünften Reihe Platz nehmen.
1998 spielte ein Spieler mit Knopf im Ohr und und gab Züge des Schachcomputers “Fritz” ein.
2006 ging Kramnik auffällig oft auf die Toilette. Das Spiel wurde fast abgebrochen und ging als Toilet-Gate in die Schachgeschichte ein.
2008 spielte jemand mit einem Komplizen auf der Gallerie, der auf dem Laptop das Spiel simulierte und die Spielzüge per Fernschachnotation einem Komplizen übermittelte. Je nachdem wo dieser stehen blieb, machte der Betrüger den entsprechenden Zug.
2011 spielte ein Finalist an der Deutschen Meisterschaft mit einer Handyanalyse.
Dieses elektronische Doping wird heute mit Metalldektetoren am Eingang unterbunden.
“Stockfish” ist ein Handy Schachprogramm mit Grossmeister-Spielstärke, d.h. es gehört zu den 200 Besten der Welt.
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